Tikal – Übernachten im Herzen des Dschungels

denn die ganze Magie des Dschungels spielt sich in der Nacht ab…

Kurz nach 16 Uhr betraten wir unsere Hütte inmitten des Tikal-Nationalparks. Ich nahm den Schlüssel, warf den Koffer auf das Bett, schnappte mir eine Flasche Wasser, die Taschenlampe und meinen Imker Hut (ja, Sie lesen richtig, ich habe mir einen Hut ähnlich wie den von Bienenzüchter mit einem Netz über dem Gesicht besorgt, soll das beste gegen unerwünschte Insekten sein) und  wir gingen sofort hinaus. Wir hatten keine Geduld mehr!

unsere "Hütte" mitten in der guatemaltekischen Dschungel
unsere “Hütte” mitten in der guatemaltekischen Dschungel

Am offiziellen Parkeingang, wo der Weg zur Plaza Mayor beginnt, saß ein Ranger auf einem Stuhl, um die Tickets zu kontrollieren. Der Park schließt um 18 Uhr abends, sagte er uns anschließend. Das brachte mich fast zum Lachen. Wie schliesst der Park? Ich sah keinen Zaun und das Gebiet, in dem sich die zehn Pyramiden befinden, ist etwa 16 Quadratkilometer groß. Wie sollte er uns alle um genau 18 Uhr aus dem Park herausholen? Das konnte ich mir schwer vorstellen.

Der Tikal Nationalpark ist etwa 16 km² groß
Der Tikal Nationalpark ist etwa 16 km² groß
Tikal, auch bekannt als Yax Mutal, war eine der bedeutendsten Städte der Maya-Welt. Die ersten Gebäude stammen aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. In der Klassik, d.h. vom dritten bis zum zehnten Jahrhundert, erreichte Tikal seinen Höhepunkt mit dem Bau von riesigen, über 40 Meter hohen Pyramiden.

So spät am Nachmittag waren kaum noch Touristen im Park. Wir hörten, wie ein paar Kanadier Französisch sprachen und einige Spanier liefen an uns vorbei. Wir mussten uns beeilen, um in 20 Minuten zur Plaza Mayor Von dort aus hat man den idealen Panoramablick über den Dschungel und kann den schönsten Sonnenuntergang geniessen.

Plaza Mayor - der zentraler Platz in Tikal
Plaza Mayor – der zentraler und größter Platz in Tikal
und dann zum Templo IV zu gelangen – der höchsten Pyramide über 65 Meter.
Tikal - riesigen, über 40 Meter hohen Pyramiden
Tikal – riesigen, über 40 Meter hohen Pyramiden

Von dort aus hat man den idealen Panoramablick über den Dschungel und kann den schönsten Sonnenuntergang geniessen.

Wir waren froh, dass es etwas kühler wurde (was hatten wir hier in der Mittagshitze gemacht?), denn die Straße ging steil nach oben.

Aber Neugier gibt einem magische Kräfte und so erreichten wir rechtzeitig den Grund des Tempels.

In der Zwischenzeit versammelten sich alle, die noch im Park waren, hier am Rande dieses Tempels und wir begannen aufzusteigen. Dabei sind wir nicht die ursprünglichen Stufen der Pyramide hinaufgestiegen, die zu hoch und zu schmal wären, sondern direkt hinter der Pyramide wurde eine Holztreppe mit Geländer errichtet worden, speziell für Touristen.

Sehr praktisch, dachte ich, auf jedenfall viel besser als das Verbot von Chichen Itza in Mexiko, wo man die Pyramiden wegen unzähliger Unfälle überhaupt nicht mehr besteigen darf., aber als wir die Plattform an der Spitze der Pyramide erreichten, merkte ich, daß hier die Balustrade komplett fehlte und somit die meisten Besucher sich nun doch auf die ursprüngliche Treppe setzten, die 65 Meter steil nach unten führte.

Wir setzten uns auch hin und versuchten, nicht nach unten zu schauen (es macht einen wirklich schwindelig, besonders wenn man müde ist, wie wir es gerade waren) und wir alle warteten.

Tikal - Abenddämmerung
Tikal – Abenddämmerung
Von hier oben blickt man über ein Meer von Grün.

Nur wenige Gipfel anderer nahegelegener Pyramiden sind zu sehen. Die Sonne begann, die Kronen der umliegenden Bäume zu küssen. Ein paar Papageien fingen an zu schnattern und ein Tukan flog direkt über uns.

Ich spürte, wie mein Herz immer stärker zu schlagen begann, jeder war angespannt… das Blau des Himmels wurde violett und das Neblige im Hintergrund immer intensiver… was ist los? Ein Schrei? und noch eins, immer mächtiger und lauter… die Brüllaffen begannen ihr Abendkonzert.

Brüllaffen geben ihr Abendkonzert
Brüllaffen geben ihr Abendkonzert

Wenn man nicht wüßte, daß es sich um Affen handelt, könnte man denken, daß einige  Dinosaurier aus den Büschen jederzeit auftauchen könnten. Es ist eine Atmosphäre wie im Jurasic Park, sagte jemand leise.

Bevor es dunkel wurde, liefen wir die Holztreppen schnell hinunter. Danach rannten wir fast zur Plaza Mayor, und hielten nur kurz inne, um in den letzten Lichtstahlen einige Fotos zu machen.

Faszinierende Natur im Urwald
Faszinierende Natur im Urwald

Wo sind sie alle verschwunden? Plötzlich waren wir allein… zum Glück hatten wir die Taschenlampen bei uns, die wir sofort anmachten. Eine verwitterte Schrifttafel mit der Aufschrift “Mundo Perdido” führte noch tiefer in den Dschungel… wir füllten uns auch verloren. verzweifelt suchten wir nach der EXIT Schild und lauften schnell, schnell so schnell wie möglich ins Tal, ohne zurückzuschauen. Einige Lichter kammen aus den Büschen (ich hoffte, dass es nicht die leuchtenden Augen eines Jaguars waren), aber zum Glück waren es nur andere Touristen die genauso verängstigt waren wie wir.

einige Dschungelbewohner wirken sehr bedrohlich....hier ein Leguan
einige Dschungelbewohner wirken sehr bedrohlich….hier ein Leguan

Im Urwald wird in der Nacht richtig dunkel, bessergesagt man erkennt kaum was, alles wird schwarz. jeder Knall, jedes Geräusch läßt uns erschrecken, wo ist nun der Ausgang? EXIT?  EXIT! , endlich im hintergrund erkannten wir die Lichter unserer Hütte und atmenten  erleichtert.

Es war erst kurz nach 6 Uhr und ich weiß jetzt – niemand muß dich aus dem Park holen, wenn er schließt – du machst es freiwillig! ich weiß jetzt sicher, dass niemand hier übernachten will…

Die Hütte in der Mitte des Dschungels war nicht an das Stromnetz angeschlossen.

Wir wurden informiert, dass um 9 Uhr die Generatoren ausgeschaltet werden und somit alle Lichter ausgehen. Wir nahmen ein einfaches, aber leckeres Abendessen in der Hütte und freuten uns fast darauf, dass die Stromversorgung unterbrochen wird. 

Bereits wenige Minuten nach 9 Uhr waren alle Lichtquellen ausgeschaltet. Im Hof hinter der Hütte versammelten sich fast alle, aber keiner sagte ein Wort…. über uns ein Meer aus leuchtenden  Sternen und im Gras ein Meer voller Glühwürmchen, die wie Diamanten leuchteten.

Gefangen in der Mitte dieser unglaublichen Schönheit verstummten wir alle.

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