Marokko – Die Steinverkäufer

Um an den Rand der Sahara zu gelangen und das berühmte “Vallee du Dades” zu bestaunen, besser bekannt als das Tal der 1000 Kashbah’ s, mußten wir das Atlasgebirge überqueren.

Die Sahara Wüste fängt hinten den Atlasbergen an

Der Name dieses Gebirges erinnerte mich an alte Geschichten, in denen der mächtige “Atlas” den Himmel über der Erde auf seinen Schultern trug. 

Ouarzazate - das Tor zur Wüste
Ouarzazate – das Tor zur Wüste

Die Serpentinen-ähnliche Straße führte uns immer höher und höher hinauf wo das Grün immer seltener wurde.  Aus dem roten Lehmboden wuchs kaum noch etwas. Von Zeit zu Zeit sahen wir noch vereinzelt eine Palme oder ein Dornenstrauß, bis irgendwann die ganze Vegetation verschwand und um uns herum nur noch braune und graue Steinfelsen zu sehen waren.

Es war ein heißer Tag und wir fuhren bereits stundenlang durch eine fast unwirtliche Welt aus Sand und Stein.

Und in dieser gottverlassenen Gegend, in der das Leben kaum vorstellbar war, sahen wir einen circa 12 Jahre alten Jungen, der versuchte, uns mit allen Mitteln aufzuhalten. 

Kasbahs aus roten Lehm im Valle du Dades
Kasbahs aus roten Lehm im Valle du Dades

Natürlich hielten wir an, um zu fragen, was er hier so treibt. Ich stieg aus und näherte mich ihm:  

 Qu’est-ce que tu fais ici? (Was machst du hier?) fragte ich ihm mit meinem Schulfranzösisch in der Hoffnung, daß er mich verstehen würde.

Ich verkaufe etwas, willst du es kaufen?

Verkaufen ? was könntest du hier verkaufen, wo nichts wächst. Steine ? dachte ich mehr als Scherz… aber als ich es aussprechen wollte, antwortete mir der Junge genau das

De pierre, madame

und tatsächlich zeigte er mir seine Hände in den er zwei Steine in der Größe einer Orange hält.

Und weil er das Fragezeichen noch immer in meinem Auge sah, knallte er einen davon mit Gewalt auf den Boden und versuchte, den zu spalten. Der Stein brach in der Mitte aus und zeigte sein Inneres voller Kristalle, die in verschiedenen Farben leuchteten…

Ich war so erstaunt und entschied spontan, daß ich diese Steine um jeden Preis kaufen wollte.

Combien? frage ich ihn. Der Junge zuckte mit den Schultern und ich hatte Angst, daß er mich doch nicht so gut verstanden hätte. Also zog ich meine Brieftasche heraus und zeigte ihm einen 5-Euro-Schein. Er reagierte aber nicht.

Avez vous de l’eau?”  fragte er mich mit einer schwachen und schüchternen Stimme.

Der Junge streckte seine Hand gar nicht nach meinem Geld aus, scheinte desinteressiert zu sein…Aber habe ich richtig gehört? Hat er nach Wasser verlangt. L’eau?

Ich ging zum Auto und nahm eine Flasche Wasser heraus. Ein riesiges Lächeln erhellte sein Gesicht auf. Mit fast zitternden Händen nahm er die Wasserflasche und trank sie fast in einem Schluck.

Die zwei Steine von der Größe einer Orange mit dem Kern aus Kristallen, die in den Farben des Regenbogens leuchten, haben wir in unsere Vitrine ausgestellt. Und wenn mich jemand fragt, ob die Wertvoll sind – kann ich ihm mit Sicherheit beantworten JA! die sind so wertvoll wie eine Flasche Wasser in der Wüste…

Die Kristallsteine aus Marokko

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